Wer soll sich das leisten können, Bio ist viel zu teuer

Argument: Wer soll sich das leisten können, Bio ist viel zu teuer.

Gegenargument: Ja, das ist richtig. Bio ist teurer als konventionell hergestellte Lebensmittel – gut ersichtlich in einem Preis-Check der Zeitschrit oekoreich vom September 2022

Insbesondere Fleisch war hier um mehr als 100 % teurer. Ansonsten ist der Preisunterschied meist sehr gering, besonders wenn regionale und saisonale Lebensmittel verglichen werden.

Warum dieser Preisunterschied?

  • mehr Arbeit und Kosten bei Produktion und Verarbeitung
  • oft geringere Erträge
  • höheres Platzangebot in der Tierhaltung
  • Kosten für die umfassende Kontrolle der Bio-Richtlinien

Aber die Bio-Lebensmittelpreise blieben in der Inflation vergleichsweise stabil, warum?

  • Biolebensmittel kommen ohne chemisch-synthetische Kunstdünger und Pestizide aus, deren Herstellung viel teure Energie erfordert.
  • weitgehende Unabhängigkeit von Futtermittelimporten aus dem Ausland sorgt für hohe Preisstabilität.

Welche Folgen hat der Einkauf von möglichst billigen Lebensmitteln überhaupt?

  • die intensive Lebensmittelproduktion mit chemisch-synthetischen Pestiziden verursacht Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschäden, für die wir zu einem späteren Zeitpunkt als Gesellschaft unter anderem in Form von Steuern bezahlen müssen.

Was ist die Lösung? Wie können wir uns gesund, umweltfreundlich und gleichzeitig günstig ernähren? Eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) zeigt dass nachhaltig und gesund essen durchaus leistbar ist, und zwar durch den Umstieg des Einkaufsverhaltens auf einen gesünderen Warenkorb mit weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse, weniger Softdrinks etc. Bei der gesunden Auswahl kann sogar der Großteil der Lebensmittel, nämlich rund 70 %, in Bio-Qualität gekauft werden, ohne dass sie mehr kostet als die ungesündere Lebensmittelauswahl. - Wir tun dabei uns etwas Gutes und der Natur.

  • PS: …und das Klima sagt Danke! Mit einem Umstieg auf den gesünderen, biologischen Einkaufskorb kann eine vierköpfige Familie etwa 40 % der ernährungsbedingten Treibhausgase einsparen.

Aber BIO kann die Welt nicht ernähren. Die Antwort ist: Bereits eine

  • Reduktion der vermeidbaren Lebensmittelabfälle um 25 % oder
  • Reduktion des Fleischkonsums um 10 % würde ausreichen, um die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Bio-Lebensmitteln sicherstellen.“ Geh daher achtsam mit den Lebensmitteln um. - Rund 1/3 aller produzierten Lebensmittel werden weggeworfen. Warum weniger Fleisch essen?
    Die Tierhaltung verbraucht wesentlich größere landwirtschaftliche Flächen als der Anbau von Pflanzen. Derzeit wird rd. die Hälfte des Ackerlandes in Österreich für Futtermittel für Tiere verwendet, das ist extrem ineffizient. - Eine Fläche, die 100g Pflanzeneiweiß liefern kann, liefert nur 4 g Rindfleisch. Hier einige graphische Darstellungen zum Thema: https://proveg.com/de/5-pros/pro-umwelt/landnutzung/

Was ist besser BIO oder Regional?
Bio ist klar standardisiert. Regionalität ist per se kein Garant für höhere Qualität oder mehr Nachhaltigkeit, so positiv örtliche Nähe für uns auch sein mag. Allerdings sind regional und bio ein besonders starkes Duo. Als Entscheidungshilfe beim Lebensmitteleinkauf gilt: Bio, saisonal, regional – und zwar am besten auch in dieser Reihenfolge.

Botschaft 1 Die Biolandwirtschaft versorgt uns mit hochwertigen, nachhaltig produzierten, gesunden Lebensmitteln, die ihren Preis wert sind, und fördern zudem auch noch die

  • Artenvielfalt,
  • Bodengesundheit,
  • unabhängige Bäuerinnen und Bauern
  • also einen schönen, gesunden Lebensraum.

Die biologische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion reduzieren allein durch den Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide die externen Kosten (Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschäden) für uns alle. Die scheinbar billigen Lebensmittel kommen uns nämlich beim genaueren Hinsehen auch finanziell teuer zu stehen.

Einige dieser Kosten entstehen lokal, etwa durch

  • Belastung des Trinkwassers durch schnelllösliche Mineraldünger und chemisch-synthetische Pestizide,
  • Abnahme des Humusanteils im Boden,
  • daraus resultierende Hochwasserereignisse
  • oder Luftverschmutzung,

andere Kosten wirken global, durch die Folgen der Klimakrise, an der auch die Art der landwirtschaftlichen Produktion einen erheblichen Anteil hat.

Schwer messbare Faktoren sind die mit dem Einsatz von Pestiziden verbundene

  • Gesundheitskosten
  • Kosten durch den Verlust von Bestäubern (z.B. Bienen)

Würden sich diese Kosten durch die industrielle Landwirtschaft in den Lebensmittelpreisen widerspiegeln, würden die derzeit häufig teureren Bio-Lebensmittel preislich besser abschneiden. Ausserdem begünstigen die landwirtschaftlichen Förderungen nach wie vor die industrielle Landwirtschaft mit zu vielen unerwünschten Folgen für uns alle. Die Diskrepanz zwischen den Lebensmittelpreisen und den wahren Kosten ihrer Produktion bezeichnen wir als FEHLENDE KOSTENWAHRHEIT.

Durch eine Umstellung Österreichs auf 100 % Bio-Landwirtschaft würden die errechneten Kosten um mindestens ein Drittel sinken und es könnten so laut Berechnungen 425 Millionen Euro eingespart werden. Wir müssen uns klar werden, was wir wollen: Billigste Lebensmittel gehen mit kleinstrukturierter Landwirtschaft und Nachhaltigkeit nicht zusammen.

Die gute Nachricht: Immer mehr Konsumenten hinterfragen beim Lebensmitteleinkauf das Motto „Billig um jeden Preis“ und treffen trotz des derzeitigen Systems der Preisbildung eine Kaufentscheidung für die oft teureren, aber nachhaltigeren Bio-Produkte.

Botschaft 2

Die Bewegung „Enkeltaugliches Österreich“ (https://www.etoe.at/ist-bio-zu-teuer-oder-koennen-wir-uns-billige-lebensmittel-nicht-mehr-leisten/) fordert daher z.B. von der Politik die Einführung einer Pestizidsteuer auf konventionelle Lebensmittel, die der Biolandwirtschaft zu Gute kommen könnte. Damit soll Kostenwahrheit hergestellt werden. Weiters bessere Rahmenbedingungen für den Biolandbau. Z.B.:

  • Absatz von Bioprodukten in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) ausbauen,
  • Kooperationen entlang von Wertschöpfungsketten verbessern,
  • Bio-Wissenssysteme stärken,
  • Institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen,
  • Honorierung der multifunktionalen Leistungen im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen

Quellen:

100% Biolandbau in Österreich – Machbarkeit und Auswirkungen

(https://www.etoe.at/bio-als-inflationsbremse/)

https://www.etoe.at/(ist-bio-zu-teuer-oder-koennen-wir-uns-billige-lebensmittel-nicht-mehr-leisten/)

Bio oder Regional – was ist denn nun besser?

Anforderungen im Biolandbau - Kurzfassung

Die Sklaven der Agrarpreisdiktate, Der Standard

[ProVeg Deutschland, Ineffiziente Landnutzung: enormer Flächenverbrauch durch tierische Landwirtschaft], (https://proveg.com/de/5-pros/pro-umwelt/landnutzung/)

[Maßnahmen und Rahmenbedingungen zur Stärkung der biologischen Landwirtschaft in Österreich bis 2030, Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL], (https://orgprints.org/id/eprint/50597/1/Beitrag_217_final_b.pdf)