Fleisch ist gesund und wichtig und kein Klimakiller!
Überblick
- Tierische Produkte verursachen überdurchschnittlich hohe Treibhausgasemissionen
- Wir essen zu viel Fleisch, vor allem rotes Fleisch – das schadet unserer Gesundheit
- Soja ist ein nachhaltiger Proteinlieferant
Argument: Fleisch ist gesund und wichtig und kein Klimakiller!
Gegenargument:
Warum sind tierische Produkte klimaschädlich?
Die Nutztierhaltung macht weltweit unglaubliche 14,5 bis 18 % unserer gesamten globalen Treibhausgasemissionen aus:
- Methanemissionen, vor allem von Rindern
- Treibhausgasemissionen durch die Produktion von Futtermitteln
- Hoher Landverbrauch, zB. gerodete Wälder, durch Tierhaltung und Futtermittelanbau
In diesem Zusammenhang stellt eine Studie aus 2022 des FiBL Österreich gemeinsam mit dem Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der BOKU die konkreten Auswirkungen eines deutlich reduzierten Fleischkonsums dar.
Wir sprechen von einer zusätzlichen Restfläche von rund 140.000 Hektar im Fall der Fleischreduktion um zwei Drittel sowie einer erweiterten Freiland-/Weidehaltung, und von rund 637.000 Hektar bei einer vegetarischen Ernährung.
Bei veganer Ernährung, bei der keine Nutztiere zur Produktion von Lebensmitteln nötig wären, beträgt die zusätzliche zur Verfügung stehende Fläche sogar fast 1.780.000 Hektar. Das entspricht mehr als der gesamten Ackerfläche von Österreich.
Die Substitution der entfallenden tierischen Energie durch österreichischen Soja für den menschlichen Verzehr wurde in den Ergebnissen bereits berücksichtigt.
Welche THG Einsparungen wären möglich?
Im Falle einer gesünderen Ernährung mit deutlich weniger Fleisch (2/3 weniger Fleisch) anstelle der durchschnittlichen, österreichischen Ernährung werden 28% an THG-Emissionen eingespart. Bei einer ovo-lacto-vegetarischen Ernährung wird fast die Hälfte (48%) der ernährungsbezogenen THG-Emissionen eingespart. Durch eine vegane Ernährung ergeben sich die größten THG-Einsparungen, d.h. eine Reduktion von mehr als zwei Drittel (-70%) der THG-Emissionen ist dann realisierbar.
Das derzeitige österreichische Reduktionsziel bei Treibhausgasemissionen laut Pariser Klimaschutzabkommen ist ein Minus von 36 % bis 2030. Dazu könnte eine Ernährung mit 2/3 weniger Fleisch immerhin 21 %, das vegetarische Szenario mit 36 % mehr als ein Drittel beitragen. Das vegane Szenario könnte sogar einen Beitrag von 53 % am gesamten Treibhausgas-Emissionsziel in Österreich leisten. Vier Pfoten 2022
Neben Kohlenstoffdioxid werden in der Landwirtschaft vor allem die klimaschädlichen Gase Methan (CH4) und Lachgas (N2O) ausgestoßen. Böden setzen zum Beispiel große Mengen an Lachgas frei, die zuvor als Düngemittel auf die Felder ausgetragen wurden.
Bedeutend mehr Treibhausgase entstehen jedoch durch die Haltung von Nutztieren wie Rindern, Schweinen, Schafen oder Geflügel – sie sind für gut die Hälfte der Landwirtschaftsemissionen verantwortlich. Methan entsteht unter anderem bei der Verdauung von Wiederkäuern wie Rindern oder Schafen. Aber auch die Lagerung und Ausbringung von Tiermist und Gülle setzt Methan und Lachgas frei.
Die Methan- und Lachgasemissionen sind mit rund 87 Prozent nahezu vollständig auf die Rinderhaltung zurückzuführen. Darunter sind Milchkühe die bedeutendsten Emittenten.
Die Grafik gibt einen Überblick über die Treibhausgasemissionen verschiedener proteinreicher Nahrungsmittel. Hier ist gut zu sehen, dass zwar die Spannbreite an Treibhausgasemissionen sehr weit ist, je nach Produktionsweise, aber so gut wie immer pflanzliche Nahrungsmittel weniger Emissionen verursachen als tierische.

Wie lauten die Ernährungsempfehlungen?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat Anfang 2024 erst die lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen überarbeitet.
Konkret heißt das: Eine gesundheitsfördernde und ökologisch nachhaltigere Ernährung besteht zu mehr als ¾ aus pflanzlichen Lebensmitteln und zu knapp ¼ aus tierischen Lebensmitteln. Es ist somit ausreichend, wöchentlich maximal 300 g Fleisch und Wurst sowie ein Ei, zum Beispiel in Form eines Frühstückseis, zu essen. Pflanzliche Lebensmittel werden nun in den DGE-Empfehlungen noch stärker als bisher betont.
Begründet wird dies neben Umweltaspekten auch mit gesundheitlichen Vorteilen. So etwa gilt verarbeitetes Fleisch wie Wurstwaren schon länger als krebserregend, unverarbeitetes rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend.
Die Soja-Kontroverse
Soja könnte ein besonders wichtiger Proteinlieferant für die menschliche Ernährung sein und den hohen Fleischkonsum der Industrieländer reduzieren. Derzeit gehen jedoch 77 Prozent des weltweit angebauten Sojas in die Tierfutterproduktion. Damit einher gehen Naturzerstörung und ein hoher Pestizideinsatz.
Die Umwandlung von Savannen und Regenwäldern in Soja-Monokulturen ist meist auch mit Menschenrechtsverletzungen verbunden.
Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, sind durchschnittlich zehn Kilogramm Soja nötig. Würden wir Menschen das Soja selbst essen, könnten wir also mit einem Zehntel der Menge auskommen (wobei man hier den geringeren Eiweißgehalt beachten sollte).
“Mit den Sojabohnen, die man in Österreich anbauen kann, könnten wir den Bedarf decken”, sagt Johann Vollmann (Professor am Institut für Pflanzenzüchtung der Boku).