Nichts zu tun kostet noch viel mehr

Argument: “Das kostet alles zu viel.”

Überblick -Handeln ist eine Investition in die Zukunft -Nichts tun kostet viel mehr -Klimaschädliche Subventionen betragen ca. 5 Mrd. EUR pro Jahr

Gegenargument:

Wir sollten nicht von Kosten, sondern von Investitionen in die Zukunft sprechen, denn eines ist klar: Nichts zu tun kostet noch viel mehr, vor allem für zukünftige Generationen. Eine kürzlich erschienene Studie des Wegener-Center hat beispielsweise gezeigt, dass bereits jetzt die jährlichen Schäden durch die Klimakrise in Österreich bei mindestens 2 Mrd. Euro pro Jahr liegen, und bis 2050 auf bis zu 12 Mrd. Euro ansteigen können (bei einer globalen Erwärmung von nur 2°C). Das Projekt COIN schätzt die klimabedingten Folgeschäden (Katastrophen- und Gesundheitskosten) für Österreich im Zeitraum zwischen 2035-2065 mit jährlich 4,2-5,2 Milliarden Euro COIN, 2015.

Der österreichische Staat subventioniert außerdem jährlich 5 Mrd. Euro in klimaschädliche Bereiche und es werden jährlich 8 Mrd. Euro für den Import fossiler Rohstoffe ausgegeben. Dazu kommen in Zukunft Kosten für EU-Emissionszertifikate bei Klimaziel-Verfehlungen: gerechnet werden mit “möglichen Kosten in der Höhe von mehreren Milliarden Euro, die bis 2030 auf die Republik zukommen”. Diese Gelder wären deutlich besser im Aufbau und Betrieb einer regionalen, klimafreundlichen Infrastruktur aufgehoben, zur Generierung von heimischer Wertschöpfung und Arbeitsplätzen.

Auch bei weltweiter Betrachtung stellt sich die Frage, inwiefern sogenannte Costs of Action (Investitionen in Energie/Verkehr/Agrar-Wende) den Costs of Inaction (Schäden durch Umweltkatastrophen, Gesundheitskosten etc.) gegenüberstehen. Eine kürzlich erschienene Studie weist den weltweiten Investitionskosten für eine Transformation hin zu rein erneuerbaren Energien (hauptsächlich Wasser-, Wind- und Sonnenkraft) bis 2050 einen Wert von 125 Billionen Dollar zu Jacobson et. al., 2017 ORF Bericht

Dem gegenüber stehen ab 2050 jährliche Schadenskosten von ca. 40 Billionen Dollar (inkl. Kosten durch Luftverschmutzung, die ca. 23 Billionen Dollar ausmachen). Über viele Jahrzehnte übertreffen die Costs of Action die Costs of Inaction um ein Vielfaches.  

Abgesehen von niedrigeren Emissionen wird Österreich auch in anderen Bereichen von Nachhaltigkeit stark profitieren, zum Beispiel mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nah- und Fernverkehrsnetz, einer geringeren Abhängigkeit von Energieimporten (bei erneuerbaren Energien bleibt die Wertschöpfung Großteils im Land) oder einer gesteigerten Gesundheit durch weniger Luftschadstoffe und einer gesünderen Lebensweise.

Das Argument, dass die Kosten des Nichthandelns die der Maßnahmen für mehr Klimaschutz deutlich übertreffen, lässt sich auch auf der Ebene individueller Unternehmen weiterspinnen: Letztlich stellt Nichthandeln eine Form des Risikos dar – wenn etwas “schief geht” kann das für das Unternehmen sehr, sehr teuer werden (finanziell + Reputationsschäden). Beispiele: BP musste für die Bereinigung der Katastrophe der Ölplattform Deepwater Horizon 2010 bislang (Stand 2018) an die 65Mrd US-Dollar ausgeben Reuters 16.012018; Volkswagen kostete der Dieselskandal von 2015 bisher ca. 29Mrd US-Dollar FAZ, 07.02.2019

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte weltweit in diesem Jahrhundert klimabedingt um etwa 37 Prozent sinken. Das wäre rund sechsmal so viel wie bisher angenommen. Frühere Studien gingen von BIP-Einbußen von etwa sechs Prozent bis zum Jahr 2100 aus. Dabei war noch angenommen worden, dass Auswirkungen des Klimawandels wie Brände, Hochwasser und Dürren das Wirtschaftswachstum nicht dauerhaft beeinträchtigen. Inzwischen halten es jedoch viele Ökonomen für unwahrscheinlich, dass sich die Volkswirtschaften von extremen Unwetterereignissen und damit verbundenen Schäden an der Infrastruktur rasch erholen können ORF, 2021