Junge mit ihren Smartphones sind doch selbst die größten Klimasünder

Überblick

  • Smartphone-Emissionen relativ gering – grosse Hebel sind woanders
  • Dekarbonisierung von Smartphone-Emissionen sind leicht möglich, dazu braucht es Anreize und Regulierungen
  • Videostreaming: Emissionen oft übertrieben dargestellt
  • Klima-Heuchelei? Vorwurf geht ins Leere

Argument: Die Jungen mit ihren Smartphones und Videos sind doch selbst die größten Klimasünder

Gegenargument:

Alle Sektoren müssen Dekarbonisiert werden

Um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen, ist es notwendig, alle Sektoren zu dekarbonisieren – kein Bereich darf dabei ausgelassen werden. Das betrifft auch Emissionen der Konsumelektronik wie zB. Fernseher oder Smartphones.

Smartphone-Emissionen relativ gering – grosse Hebel sind woanders

Allerdings wäre es verfehlt, die Treibhausgasemissionen etwa von Smartphones gleichzusetzen mit Emissionen von fossilen Brenn- und Treibstoffen. Die durch Smartphones verursachten Treibhausgasemissionen sind vergleichsweise gering. Laut einer Untersuchung von Deloitte belaufen sich die Emissionen, die für die Herstellung und den einjährigen Betrieb eines Smartphones entstehen, auf im Durchschnitt 85kg CO2-Äquivalent. Ein Großteil dieser Emissionen entfällt dabei auf die Herstellungsphase. Während der gesamten Lebensdauer eines Smartphones sind es hingegen etwa 8kg CO2, die dem Betrieb zugeordnet werden können.

Deloitte

Zum Vergleich: eine Fahrt Wien-Klagenfurt und retour mit einem durchschnittlichem Diesel-PKW verursacht 110kg CO2-Emissionen, mit einem SUV je nach Modell etwa 180kg CO2.

Our World in Data UBA

Dekarbonisierung von Smartphone-Emissionen möglich

Die Höhe der Emissionen, die durch Smartphones entstehen, wird wesentlich von den genutzten Energiequellen, der Effizienz der Produktionsstätten und dem Umfang des recycelten Materials beeinflusst. Eine signifikante Verringerung der CO2-Emissionen bei Smartphones ist leicht möglich und hauptsächlich durch sparsamere Fabriken, den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien und die Einführung von Recycling zu erzielen. Ein pauschaler Verzicht auf Smartphones ist daher keine zielführende Strategie. Stattdessen sollten Maßnahmen wie CO2-Steuern und Ausgleichszölle für Importe eingeführt werden, um Anreize für eine klimafreundlichere Produktion zu schaffen. Diese Ansätze bieten effektive Wege, um die Produzenten zu umweltschonenderen Methoden zu motivieren.

Im Gegensatz dazu können fossile Heiz- und Treibstoffe wie Diesel oder Heizöl nicht recycelt werden – hier sind wir auf Alternativen angewiesen.

Videostreaming: Emissionen oft übertrieben dargestellt

Ähnlich sind Emissionen durch Medienkonsum (Musik, Videostreaming) zu bewerten. Hier wurde in der Vergangenheit Emissionen stark überschätzt. Neuere Untersuchungen, unter anderem von der Internationalen Energieagentur (IEA), haben gezeigt, dass zB. die Emissionen von Videostreaming deutlich niedriger sind als angenommen und durch die Nutzung erneuerbarer Energien weiter reduziert werden können. So schlagen etwa eine Stunde Netflix mit 36g CO2 zu Buche. Ein Diesel-PKW stösst in etwa nach einer Fahrt von nur 210m die gleiche Menge aus.

IEA,2020

Klimaheuchelei?

Kritik an Klimaaktivisten wegen vermeintlicher Doppelmoral, wie die Benutzung von Smartphones, ist oft ungerechtfertigt und falsch. Ein vollständig nachhaltiges Leben ist in der heutigen Welt fast unmöglich. Auch deshalb hat Europa pro Kopf hohe CO2-Emissionen. Umweltschutz erfordert zugängliche und gesellschaftlich akzeptierte klimafreundliche Optionen, die nur durch politische und wirtschaftliche Veränderungen erreicht werden können. Trotz des Risikos sozialer Ablehnung, sollten klimabewusste Menschen dennoch für nachhaltige Veränderungen eintreten. Viele zögern jedoch, sich zu äußern, aus Angst vor Kritik, selbst wenn sie gelegentlich umweltschädliche Entscheidungen treffen müssen.

Zusammengefasst: einzelne an den Pranger zu stellen ist kontraproduktiv. Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Veränderung, die wir gemeinsam in die Wege leiten. Wichtigster Hebel dabei sind fossile Brennstoffe, aber auch andere Lebensbereiche wie Ernährung, Wohnen und Konsum müssen wir verändern.